Eklat im Schauspielhaus – Das Bochumer Bildungsbürgertum in der Falle

Eklat im Schauspielhaus – Das Bochumer Bildungsbürgertum in der Falle

Ein Kommentar von Frank Bothmann

Am Ende der Erstaufführung des Stückes „Catarina – Die Schönheit, Faschisten zu töten“ am 14.2.26 im Bochumer Schauspielhaus kam es zu einem Eklat. Das Premierenpublikum hielt einen Monolog am Ende des Stückes nicht aus und konnte Fiktion von Realität nicht mehr unterscheiden. Aus dem Grund wurde in dem Fall der ausführende Schauspieler, der gerade seine Arbeit vollzog und wofür die Besucher alle bezahlt haben, von Teilen des Publikum attackiert. Einige Besucher warfen Gegenstände auf die Bühne, riefen Buh-Rufe und einige gingen sogar auf die Bühne um den Schauspieler an seiner Arbeit zu behindern.

Der schauspielerische Monolog dauerte nur rund 15 Minuten. In der Zeit buhte das Publikum, warf Gegenstände auf die Bühne und attackierte den Schauspieler. Ebenso erfolgte in dieser kurzen Zeit noch eine „Belehrung“ des Publikums durch den stellvertretenden Bühnendirektor. Das Bildungsbürgertum, das sich klassischerweise im Schauspielhaus trifft, musste eine Nachhilfe darin bekommen, dass die Kunst frei ist und der Schauspieler bitte seiner Arbeit nachgehen kann.
Diesen Vorfall betitelt sogar die WAZ als „größten Skandal in der Geschichte des Schauspielhauses Bochum“ und es gelangt auch in die Berichterstattung internationaler Medien beispielsweise in Großbritannien. Ebenso findet in den Alternativen Medien eine kritische Würdigung dieses Vorgangs statt. Bochum kommt national in die Schlagzeilen – dummerweise durch die Dummheit des Premierenpublikums, das nicht erwachsen genug scheint, die Fiktion des Theaterstücks von einer Realität abzugrenzen. 

Ist die Realität auch eine Fiktion?

Wie konnte es dazu kommen, dass das Bochumer Premierenpublikum sich dermaßen blamieren konnte?

Der Schlüssel dazu steckt natürlich im Inhalt des Stückes. Oder vielleicht doch eher in der (medialen) Realität, die von dem Premienpublikum konsumiert und reproduziert wird.Titel und Kontext des Stückes verraten, dass es um eine (makabere) Familientradition hat, die sich aus dem linken Widerstand gegen das Franco-Regime in Spanien speiste und – in der Fiktion – zum Jahrestag eines getöteten Familienmitgliedes immer einen „Faschisten“ tötet. Die Tochter, die diese Tradition weiterführen soll, hat jedoch ihre Schwierigkeiten damit. Innerfamiliäre Konflikte werden wohl in der Auseinandersetzung dargelegt, die Tochter schafft es nicht und als dramaturgischer Kontrapunkt kann der Parteifunktionär, der als zu tötender „Faschist“ auserwählt wurde, am Ende des Stückes den o.g. Monolog halten.

Dies alles fällt natürlich mit der – auch in Bochum – vorherrschenden Grundhaltung des Bildungsbürgertums zusammen, dass alles was politisch „rechts“ geframt ist, grundsätzlich abzulehnen ist und dies auch wohl immer mit „Faschismus“ in einen Zusammenhang gebracht wird.
Faschismus wird gemeinhin verstanden und beschrieben als eine politische Handlungsweise mit der Auffassungen, Meinungen und Ziele möglichst aller gesellschaftlichen und politischen Kräfte „gebündelt“ werden. Es sollen also Meinungen in eine Richtung gelenkt werden bzw. abweichende Meinungen grundsätzlich unterbunden werden.

Was hat nun das Bochumer Premierenpublikum gemacht? Es hat auf den fiktionalen „Faschisten“ aus dem Theaterstück überaus deutlich mit dem eigenen Faschismus geantwortet. Die fiktionale Meinung des Schauspielers sollte durch Buhrufe und das persönliche Attackieren unterbunden werden. Das Publikum hat sich selbst eine Falle gestellt und sich vollkommen blamiert.

Die Infantilisierung von Politik und Gesellschaft

Einige Kommentatoren bezeichnen das Verhalten des Bochumer Premierenpublikums als überaus kindisch. Dies macht ja die mangelnde Abgrenzung zwischen schauspielerischer Fiktion zu einer Realität insbesondere aus.

Auch in Bochum ist seit geraumer Zeit der politische und gesellschaftliche Diskurs sehr verengt. Komplexe Themen werden kaum als solche angegangen sondern nur noch als gute oder schlechte Alternativen dargestellt. Wobei hierdurch schon eine quasi alternativlose Zuspitzung erfolgt, da nur die als positiv dargestellte Alternative, die Richtige ist. Ein aktuelles Beispiel ist der kommende Bürgerentscheid für eine Olympia-Bewerbung. Die Reduzierung von komplexen Themenstellungen auf eine „Ja-Nein-Entscheidung“ ist ein Beispiel für die Infantilisierung, also die Reduzierung auf kindliche Denk- und Handlungsweisen.

Aktuelle gesellschaftliche Themen, die medial überwiegend so reduziert präsentiert werden, sind etwa die ungeregelte Migration nach Deutschland, die Klima-Politik, eine Aufrüstungs- und Kriegspolitik oder die ungehemmte Digitalisierung aller Lebensbereiche.
Die Falle, die sich das Bochumer Prämierenpublikum gestellt hat, hat die Ursache in dieser Verkindlichung des gesellschaftlichen und politischen Diskurses.

Freiheit der Kunst – Grundrechte für alle Bürger

Kommen wir zurück zum größten Skandal in der Geschichte des Schauspielhauses Bochum, der auch verschiedene Perspektiven hat.Theaterkunst muss die – auch grundrechtlich garantierte – Freiheit der Kunst ausnutzen um gesellschaftlich wirken zu können. Hierzu nutzen die Theaterschaffenden die notwendigen dramaturgische Mittel um uns Bürger zu unterhalten, zu begeistern aber auch Reflektion und Konfrontation anzubieten.

Der größte Skandal ist vielleicht nicht, dass das Publikum an der Freiheit der Kunst gescheitert ist, sondern, dass das Schauspielhaus ihr Bochumer Publikum auf diesem Weg mitbegleitet hat.In dem Zusammenhang muss namentlich an eine intensive Zeit der Bündelung von Meinung und dem medialen und staatlichen Handeln erinnert werden.

Dies war auch in Bochum die Zeit der Corona-Maßnahmenpolitik, die in unserer Stadt von Verwaltung, Medien und eben auch seitens des Schauspielhauses massiv betrieben worden ist.Zu dieser Zeit haben zahlreiche Bürger für die Sicherung der Grundrechte demonstriert. Regelmäßig haben die Bürger auch auf ihren Demonstrationen vor dem Schauspielhaus innegehalten. Es erfolgte mehrfach eine Aufforderung an die Leitung des Schauspielhauses sich dieser Grundrechtsdemonstrationen anzuschließen und neben der Freiheit der Kunst natürlich auch für die Freiheit des Denkens zu sprechen. Dieser Aufforderung ist das Schauspielhaus nie gefolgt. Es ist im Gegenteil der Gleichschaltung der öffentlichen Meinung gefolgt und hat es nicht unterlassen, die Grundrechte-Demonstration mit einem billigen „Rechts-Framing“ zu versehen.

Mit dem aktuellen Eklat erntet das Schauspielhaus Bochum deshalb die Früchte seiner Kultur der Unfreiheit.