Weitere 4,5 Mio. € für die Markthalle
Der Rat der Stadt Bochum wird in der Sitzung am 12.11.26 darüber entscheiden, ob eine Anschubfinanzierung in Höhe von 4,5 Mio. € aus Steuergeldern der Bochumer Bürger für die Markthalle im Haus des Wissens aufgebracht werden soll.
Eine Überprüfung der Marktchancen des Projektes war nach sechs Jahren Rezession und weiter gestiegener städtischer Verschuldung notwendig. Ein Beratungsunternehmen hat Anfang 2026 dem Projekt weiterhin eine Marktchance bescheinigt. Jedoch mit der Einschränkung, dass eine Anschubfinanzierung von insgesamt 4,5 Mio. € zwingend notwendig ist. Über drei Jahre sollen 1,5 Mio. € für den Betrieb und 3 Mio. € noch als Investitionshilfe aus Steuergeldern zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich zu den rd. 3 Mio. € die schon im Haushalt als Investitionskosten stehen. Über die zusätzlichen Kosten muss nun der Rat entscheiden. Eine Kurzfassung finde man hier.
Die WAZ hat hierüber in gewohnter unkritischer Weise berichtet. Die Markthalle rechnet sich u.a. unter der Voraussetzung, dass täglich 5.000 zahlende (!) Besucher kommen und durchschnittlich 15 Euro ausgeben. Das sind stolze Zahlen, die angesichts des Zustandes der Bochumer Innenstadt und der deutlichen Kaufkraftverluste durch den aktuellen wirtschaftlichen Niedergang doch aufhorchen lassen.
Bürgeridee oder Prestigeprojekt
Ist das jetzt noch die Bürgeridee aus der ersten Bochumer Bürgerkonferenz? Oder ist das jetzt nur noch ein prestigeträchtiges Marketingvorhaben unter Verantwortung der städtischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG)? Auch wenn die WEG nun einen Betreiber für die Markthalle suchen soll, muss man deren Kompetenz kritisch nachfragen. So sind die Wochenmärkte in Bochum durch das Management der WEG für die Marktbeschicker enorm verteuert worden und viele haben den Bochumer Märkten den Rücken kehren müssen.
Und die Fragen lauten auch wieder: Ist die Markthalle ein unternehmerisches Vorhaben? Wenn ja, warum dann eine Anschubfinanzierung aus Steuermitteln? Oder ist es eine kommunale Aufgabe der Daseinsgrundvorsorge? Wenn ja, warum muss das so teuer sein und warum soll es unternehmerisch betrieben werden?
Geld für die Markthalle – sparen woanders
Die Finanzmittel müssen vor dem Hintergrund der Überschuldung durch Kürzungen an anderer Stelle im städtischen Haushalt kompensiert werden, so steht es in der Ratsvorlage. Wenn das so ist, dann muss die Frage erlaubt sein, wo diese Kürzungen dann stattfinden?
Ohne in den städtischen Haushalt zu schauen, können die Bochumer Bürger dies natürlich in ihrer Umgebung selber erfahren. Die kommunale Infrastruktur in den Schulen, den Schwimmbädern, den Straßen u.v.a.m. ist in einem weiterhin verschlechterten Zustand, Kulturangebote (Schauspielhaus, Freilichtbühne Wattenscheid) werden zusammengestrichen.
Wird ein offensichtliches Prestigeprojekt da den Bedürfnissen der Bürger gerecht?




